Das ABOWI Projekt interviewt internationale Anwältin Romina Dávalos Suazo über Globalisierung, ihre Schwierigkeiten im ecuadorianischen Rechtssystem und ihren Rat an Jura Studenten.

ABOWI (Across Borders with Information) besucht virtuell Ecuador, benannt nach der Kreuzungslinie des Äquators, hat eine der vielfältigsten Klimazonen der Welt, die von Vulkanen über Regenwald und Küstengebirge bis hin zu den berühmten Galápagos-Inseln reicht. Ecuador ist das artenreichste Land der Welt, ein Magnet für Naturinteressierte. Internationales Aufsehen erregen die zunehmenden Naturschutzbemühungen in Projekten wie der Yasuní-ITT-Initiative und der Spagat zwischen Umweltschutz und wirtschaftlichem Erfolg, da die Erdölförderung ein wichtiger Wirtschaftszweig geworden ist. ABOWI ist ein Projekt mit dem Ziel, mit 197 Juristen aus 197 Ländern ins Gespräch zu kommen. Es geht um das Kennenlernen unterschiedlicher kultureller Rechtsgewohnheiten, um die Beratung von Jurastudenten oder Interessierten, um den Erfahrungsaustausch mit internationalen Verflechtungen und um das Leben als globalisierter Anwalt im 21. Jahrhundert. Aber vor allem ist es eine Reise für Wissen und gegen Vorurteile.

Ecuador liegt zwischen Peru und Kolumbien und ist mit ca. 17 Millionen Einwohnern nicht das größte Land, aber dennoch ein schönes und interessantes. Ich bin begeistert, von den Erfahrungen von Romina Dávalos Suazo zu hören, besonders in ihrem Alter von 26 Jahren, das von allen internationalen Anwälten, mit denen ich gesprochen habe, ihrem Studium am nächsten zu kommen scheint.

ABOWI im Gespräch mit der ecuadorianischen Juristin Romina Dávalos Suazo
ABOWI Across Borders With Information

Romina Dávalos Suazo ist Rechtsanwältin in der Kanzlei Pérez Bustamante & Ponce, Edificio Mansión Blanca, Av República de El Salvador N36-140, Quito 170505, Ecuador. Die international ausgerichtete Anwaltskanzlei Pérez Bustamante & Ponce hat ihren Sitz in den beiden größten Städten Guayaquil und Quito. Die Kanzlei besteht seit 1916 und hat eine große Rolle in der Entwicklung des Landes gespielt, indem sie viele wichtige Projekte wie die Finanzierung des Fruta del Norte Projektes, dem größten Bergbauprojekt in der Geschichte Ecuadors, das Trinkwassersystem oder den Bau des neuen internationalen Flughafens in Quito beraten hat.

Josefine Antonia Schulte: Bitte stellen Sie sich kurz vor, wie heißen Sie, wie alt sind Sie, woher kommen Sie und wie lange üben Sie schon den Anwaltsberuf aus?

Romina Dávalos Suazo: Mein Name ist Romina Dávalos Suazo; ich bin 26 Jahre alt, Ecuadorianerin und übe den Beruf der Rechtsanwältin seit zwei Jahren aus.

Josefine Antonia Schulte: Was hat Sie überhaupt dazu bewogen, Anwältin zu werden, oder hat Ihr Heimatland vielleicht etwas damit zu tun?

Romina Dávalos Suazo / Rechtsanwältin aus Ecuador
Romina Dávalos Suazo / Rechtsanwältin aus Ecuador

Romina Dávalos Suazo: Die Gründe, Anwältin zu werden, haben sich im Laufe meines Lebens geändert. Zuerst wollte ich Anwältin werden, weil ich gerne streite, und die Vorstellung, damit meinen Lebensunterhalt zu verdienen, hat mich sehr gereizt. Aber irgendwann hat sich dieses Motiv in etwas Substantielleres verwandelt. Als ich älter wurde, interessierte ich mich für die juristische Tätigkeit, weil sie auch einen sozialen Dienst darstellt. Mit anderen Worten: Mich interessierte, inwieweit ich Menschen durch das Recht helfen konnte. Menschen durch das Recht helfen konnte. Man könnte sagen, dass das ecuadorianische System etwas mit meiner Berufswahl zu tun hatte. Wie ich bereits erwähnt habe, wurde ich hauptsächlich Anwalt, um Menschen bei der Erfüllung ihrer Bedürfnissen zu helfen, und das liegt zum Teil daran, dass sich unser Rechtssystem bei dieser Aufgabe leider als mangelhaft erwiesen hat.

Josefine Antonia Schulte: Was ist Ihr Hauptschwerpunkt im Rechtswesen?

Romina Dávalos Suazo: Mein Schwerpunkt ist das Ordnungsrecht.

Josefine Antonia Schulte: Wie ist die gesellschaftliche Anerkennung einer juristischen Karriere? (z.B. in Deutschland ist die soziale Anerkennung recht hoch, vor allem bei Menschen, die keinen Kontakt zu Juristen haben. Es gibt sicherlich ein Stereotyp des überlegenen und reichen Anwalts).

Romina Dávalos Suazo: Meiner Meinung nach hat der Anwaltsberuf in Ecuador eine eher polarisierte soziale Anerkennung. Auf der einen Seite wird der Beruf, wie in Deutschland, als eine der Säulen der Gesellschaft angesehen. Eine der Säulen der Gesellschaft ist, wie zum Beispiel der Arztberuf. Aber im Gegensatz dazu gibt es die Vorstellung, dass Anwälte korrupt und opportunistisch sind und dass sie dem Mandanten das ganze Geld wegnehmen (weil sie so teuer sind). Nichtsdestotrotz wird in beiden Sichtweisen akzeptiert, dass Anwälte über ein enormes Maß an Wissen verfügen, weil ihre Universitätskarriere viel schwieriger ist als die anderer
Berufe.

Josefine Antonia Schulte: Mit welchen Herausforderungen sind Sie als Anwältin jeden Tag konfrontiert?

Romina Dávalos Suazo: Eine der größten Herausforderungen, die wir aushalten müssen, ist die Instabilität in der Produktion und Reform unseres Rechtssystems. Leider gibt es aufgrund unseres statischen und unflexiblen bürokratischen Systems eine übermäßige Produktion von Gesetzen, Verordnungen u. a., die täglich reformiert werden. Diese Vermutung zwingt uns, in unserer Arbeit eine Rechtsunsicherheit zu tragen und unser Wissen in den meisten Rechtsgebieten ständig zu aktualisieren. Eine weitere Herausforderung im ecuadorianischen Panorama ist die immerwährende bürokratische Barriere, die jedem Verfahren vor dem öffentlichen Sektor zu überwinden gilt. Mit der oben erwähnten Überproduktion von Gesetzen hat es der Staat geschafft eine Vielzahl von Hürden zu errichten, die jedes Verfahren vor einer öffentlichen Stelle bedingen, einschränken und behindern. Diese Situation führt zu einer unangemessenen Verzögerung bei administrativen Genehmigungen oder Genehmigungen, ordentlichen Gerichtsverfahren und allgemein jeder Art von Verfahren, die mit einer öffentlichen Institution durchgeführt werden müssen. Infolgedessen ist unser Rechtssystem erheblich langsam und ineffizient.

Josefine Antonia Schulte: Sie sind ein lokaler Anwalt, aber gleichzeitig leben Sie in einer globalisierten Welt. Wie arbeiten Sie denn mit Anwälten und Mandanten außerhalb des Landes zusammen?

Romina Dávalos Suazo: Hier in der Kanzlei arbeiten wir viel mit internationalen Mandanten zusammen, die daran interessiert sind, ihre Dienstleistungen in Ecuador anzubieten. Sie wollen wissen, welche Vorschriften für ihre Dienstleistungen gelten und wie sie diese einhalten können, daher benötigen sie unsere Rechtsberatung. Abgesehen von den oben genannten Punkten arbeitet die Kanzlei hauptsächlich mit internationalen Standards bei Personalauswahl, technologische Entwicklungen, Kanzlei-Mandanten-Beziehungen und andere Aspekte, die internationale Struktur zu gewährleisten.

Josefine Antonia Schulte: Wie international sind die Anwälte in Ihrem Land sprachlich aufgestellt?

Romina Dávalos Suazo: Bei Pérez Bustamante & Ponce ist es eine Voraussetzung, fließend Englisch zu beherrschen, da es die am meisten globalisierte Sprache ist. Einige Anwälte praktizieren jedoch neben Englisch auch andere Sprachen, was zweifellos ein Vorteil für die Kanzlei ist.

Josefine Antonia Schulte: Wie hoch ist Ihrer Erfahrung nach die Nachfrage nach internationalen Fällen und Mandanten?

Romina Dávalos Suazo: In der Kanzlei haben wir etwa 40-50 Prozent internationale Fälle und Mandanten.

Josefine Antonia Schulte: Welche Art von Rechtsberatung ist bei Ihren internationalen Mandanten besonders gefragt?

Romina Dávalos Suazo: Steuerplanung, Gründung von transnationalen Konzernen, Vertragsverhandlungen, Akquisitionen, Compliance und allgemeine Rechtsberatung zum Aufsichtsrecht.

Josefine Antonia Schulte: Wie schätzen Sie den globalen Markt in der Zukunft ein, in Deutschland wird man sich irgendwann während des Studiums auf ein bestimmtes Rechtsgebiet spezialisieren müssen, halten Sie eine Spezialisierung auf internationales Recht für sinnvoll?

ABOWI im Gespräch mit der ecuadorianischen Juristin Romina Dávalos Suazo
Josefine Schulte / jur. stud. Berlin

Romina Dávalos Suazo: Ich denke, es wäre eine wertvolle Bereicherung für Juristen, die sich für das Gesellschaftsrecht oder das Partnerschaftsrecht oder sogar für das Ordnungsrecht interessieren, ich denke, dass in diesen Bereichen das Studium des internationalen Rechts einen großen Vorteil bei der Erbringung der Dienstleistung bieten könnte.

Josefine Antonia Schulte: Wie sinnvoll ist aus Ihrer Erfahrung im Berufsleben die Entscheidung für eine juristische Laufbahn? Würden Sie es wieder wählen?

Romina Dávalos Suazo: Ich würde es wieder wählen. Jura kann anstrengend sein, aber gleichzeitig auch so lohnend.

Josefine Antonia Schulte: Welchen Rat würden Sie Jurastudenten oder angehenden Studenten geben?

Romina Dávalos Suazo: Ich denke, ein guter Rat, den ich den Leuten geben könnte, die studieren, um Anwälte zu werden, ist, dass sie, wenn sie können, arbeiten sollten, während sie studieren. In Ecuador ist es sehr üblich, dass Jurastudenten während des Studiums Praktika absolvieren, einfach aus dem Grund, dass sie dadurch Erfahrungen sammeln und entscheiden können, welches Rechtsgebiet sie am meisten interessiert. Ebenso würde ich ihnen raten, nicht alles auswendig zu lernen (zumindest in Ecuador war es üblich, dass die Studenten Gesetzestexte auswendig lernen mussten). Statt auswendig zu lernen, ist es viel effektiver, zu verstehen, wie das Gesetz funktioniert und effizientere juristische Kriterien zu entwickeln.

Josefine Antonia Schulte: Was muss aus Ihrer Sicht getan werden, um Juristen aus aller Welt zusammenzubringen oder ist dieser Prozess nicht notwendig?

Romina Dávalos Suazo: Ich glaube, dass es eine Vereinheitlichung des gesamten Anwaltswesens geben sollte. Mit der Globalisierung, die in den letzten Jahrzehnten stattgefunden hat, glaube ich, dass Allianzen zwischen Kanzleien oder Anwälten entscheidend für den Umfang und die Verbesserung unserer Dienstleistungen sind.

Ich danke meiner Interviewpartnerin Romina Dávalos Suazo sehr, dass sie sich die Zeit genommen hat, ihre interessanten Erfahrungen und wertvollen Ratschläge zu teilen. Besonders auffallend fand ich, dass ihre Motive, Anwältin zu werden, durch das ineffektive ecuadorianische Rechtssystem und ihren Tatendrang bedingt waren, auch wenn sie sich der Hindernisse bewusst war, nicht um einen leichteren Weg zu wählen, sondern um Menschen zu helfen. Auch das Vorurteil gegenüber Anwälten scheint ein internationales Stereotyp zu sein, verblasst jedoch, wenn Menschen in positiven Kontakt mit einem praktizierenden Anwalt kommen. Suazos Kämpfe aufgrund der hohen Grenze der unflexiblen Bürokratie scheinen ein Problem zu sein, mit dem Anwälte weltweit konfrontiert sind, wenn auch in unterschiedlichen Aspekten. Jedenfalls gibt es weltweit einen zunehmenden Willen und Druck, die juristischen und öffentlichen Verfahren zu überarbeiten und die Systeme an das 21. Jahrhundert in Bezug auf die Digitalisierung und zukünftige Herausforderungen anzupassen, es behindert die Effektivität der Justizsysteme überall. Ihren Rat, neben dem Studium in einer Anwaltskanzlei zu arbeiten, nehme ich mir zu Herzen, um den Bezug zur praktischen Umsetzung des Wissens zu behalten, da das Jurastudium (in Deutschland) erwiesenermaßen eher theoretisch ist. Auch denke ich, dass als Jurastudent selbst die Effektivität des Lernens im Vordergrund stehen sollte, da ich viele meiner Kommilitonen beobachte, die viel lernen und versuchen, alles auswendig zu lernen, was unmöglich erscheint, anstatt zu verstehen.

V.i.S.d.P.:

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Über ABOWI:
Across Borders With Information – ABOWI, eine Interviewreihe von Josefine Schulte Jurastudentin aus Berlin in Deutschland. Fragen und Antworten: Eine Reise um die Welt, die Unterschiede und Vorurteile aufdeckt. Was bewegt die Anwälte dieser Erde, Josefine Schulte fragt sich von Aserbaidschan bis Zypern durch.

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